Mädchen sitzt vor aufgeschlagenem Heft mit Stift in der Hand

Ordnung macht den Unterschied: Erfolgreich Lernen leicht gemacht

Mal ehrlich: Es gibt viele Gründe, warum Lernen leicht oder schwerfällt – und das ist von Person zu Person und von Tag zu Tag unterschiedlich. Als Ordnungscoach frage ich mich: Macht Ordnung den Unterschied beim erfolgreichen Lernen? Können wir als Eltern von Schulkindern unsere Kinder so unterstützen, dass sie sich selbst und ihren Lernplatz optimal organisieren? Vielleicht müssen wir dann nur noch hier und da motivieren, damit die Hausaufgaben fast wie von selbst erledigt werden 😬.

In unserer schnelllebigen und zunehmend komplexen Welt ist das Lernen eine lebenslange Reise, die bereits im Kindesalter beginnt. Eine oft übersehene, aber unglaublich wichtige Komponente dieses Lernprozesses ist die Ordnung. Doch passen Ordnung und Lernen wirklich zusammen? Macht Ordnung sogar den Unterschied, wenn es um den Wunsch nach erfolgreichem Lernen geht? In diesem Blogartikel möchte ich dir zeigen, wie Struktur und Organisation den Lernalltag erleichtern und welche erstaunlichen Vorteile daraus resultieren. Dazu habe ich eine Expertin auf dem Gebiet des Lernens befragt und teile hier ihre wertvollen Tipps mit dir!

Lass uns mit einer fiktiven, aber sehr realitätsnahen Geschichte beginnen (so oder so ähnlich könnte es bei uns zu Hause schon mal passiert sein):

(Un)Ordnung am Lernplatz

Linda sitzt an ihrem Schreibtisch und starrt auf das Chaos vor ihr. Schulbücher, Stifte und Spielzeug liegen kreuz und quer verteilt. Sie versucht, ordentlich in ihr Heft zu schreiben, aber da sie das Heft auf alles andere einfach draufgelegt hat, sehen die Buchstaben eher so aus, als hätten sie mit den Nachwirkungen einer Looping-Achterbahn zu kämpfen.

Dann muss sie noch für Heimat- und Sachkunde lernen, da morgen eine Probe ansteht. Aber die bunten Legosteine auf dem Boden wirken einfach viel verlockender als der Text im Buch. Jede kleine Ablenkung kommt ihr gerade gelegen – und davon gibt es im Zimmer viele!

Es fällt Linda schwer, sich zu konzentrieren. Langsam kommt Frust auf, denn eigentlich wollte sie schon längst auf dem Spielplatz bis zum Himmel schaukeln, anstatt zu lernen. Das überfordert sie komplett und der Lernstoff will einfach nicht hängen bleiben. Am Ende gibt sie auf, hört mit dem Lernen auf und geht nun doch und dafür frustriert nach draußen…

Diese Geschichte könnte damit enden, dass Linda so gar keine Lust mehr hat zu lernen und ihre Hausaufgaben nur noch halbherzig erledigt. Nach ein paar Wochen hat sie den Lernstoff nicht so verinnerlicht wie ihre Klassenkameraden. Die Noten werden schlechter, die Frustration größer und die Streitereien in der Familie zum Thema Lernen häufiger.

Oder wir erzählen Linda, dass ein bisschen mehr Ordnung der Schlüssel zu leichterem Lernen sein könnte und räumen gemeinsam mit ihr auf: Materialien werden sortiert und so aufbewahrt, dass sie leicht zu nutzen, aber auch leicht wegzuräumen sind. Auf ihrem Schreibtisch ist nun genug Platz für die Schulmaterialien und Hausaufgaben. Ohne Ablenkungen kann sie sich viel besser konzentrieren, fühlt sich weniger gestresst und merkt, wie viel leichter ihr das Lernen durch die neue Ordnung fällt.

Ordnung schafft eine Grundlage für effektives und erfolgreiches Lernen

Kinder sind sehr empfänglich für ihre Umgebung und daher kann eine chaotische Umgebung ihre Konzentration und ihren Lernfortschritt erheblich beeinträchtigen. Ein aufgeräumter und gut strukturierter Lernbereich hilft den Kindern, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und fördert eine positive Einstellung zum Lernen. Damit schafft Ordnung meiner Meinung nach eine Grundlage für erfolgreiches Lernen – übrigens nicht nur für unsere Kinder, sondern auch für uns 😉

Vorteile von Ordnung beim Lernen

  1. Konzentration und Fokus: Ein aufgeräumter Arbeitsplatz reduziert Ablenkungen und hilft Kindern, sich besser zu konzentrieren. Wenn alles an seinem Platz ist, müssen sie nicht nach Materialien suchen und können sich vollständig auf ihre Aufgaben konzentrieren.
     
  2. Reduktion von Stress und Angst: Unordnung kann zu einem Gefühl der Überwältigung führen. Ein organisierter Raum schafft eine ruhige und entspannte Umgebung, die Stress reduziert und eine positive Lernatmosphäre fördert.

  3. Förderung von Selbstständigkeit: Kinder, die lernen, ihre Umgebung zu organisieren, entwickeln wichtige Fähigkeiten zur Selbstständigkeit. Sie lernen, Verantwortung zu übernehmen und ihre eigenen Aufgaben zu managen, was sie auf zukünftige Herausforderungen vorbereitet.

  4. Effizientes Zeitmanagement: Ordnung hilft Kindern, ihre Zeit besser zu nutzen. Ein strukturierter Tagesablauf und klare Routinen ermöglichen es ihnen, Aufgaben effizienter zu erledigen und mehr Zeit für Freizeitaktivitäten zu haben.

  5. Stärkung des Selbstwertgefühls: Wenn Kinder in einer ordentlichen Umgebung arbeiten, fühlen sie sich kompetent und in der Lage, ihre Ziele zu erreichen. Dies stärkt ihr Selbstvertrauen und ihre Motivation.

Interview mit Lerncoach Katrin Bergmann

Lerncoach Katrin Bergmann

Um tiefer in das Thema einzutauchen, durfte ich Lerntherapeutin und Lerncoach Katrin Bergmann ein paar Fragen stellen. Katrin unterstützt mit ihrer wertvollen Arbeit Kinder von 5 bis 15 Jahren beim Lernen und zeigt ihnen wie sie mit mehr Spaß leichter, schneller und effektiv arbeiten können. Wenn du noch mehr erfahren willst, schau dich gerne auf ihrer Webseite um: www.lerncoaching-putzbrunn.de.

Liebe Katrin, welche Rolle spielt Ordnung für dich persönlich und im beruflichen Kontext als Lerncoach?

Ich selbst bin ein sehr strukturierter Mensch. Ordnung ist mir sehr wichtig, schon alleine deshalb, weil ich zu faul zum Suchen bin…. Ich fühle mich wohl und befreit, wenn Ordnung ist und alles seinen Platz hat. Auf Dauer komme ich mit Chaos nicht wirklich zurecht. Chaos kostet wertvolle Zeit und macht mich unzufrieden. Dann räume ich lieber auf. Auch beruflich kann ich das so stehen lassen. Meine Lernkids sollen sich in erster Linie wohl bei mir fühlen. Das macht das Lernen leichter. Ordnung auf dem Schreibtisch bedeutet Ordnung im Kopf.

Findest du, dass eine organisierte Umgebung das Lernen und die Konzentration grundsätzlich fördern?

Ja, auf jeden Fall! Der Lernort an sich (also „Wo?) ist hier eher Nebensache. Wichtig ist, dass der Lernort so gestaltet und organisiert ist, dass sich die Kinder wohlfühlen und das Umfeld entsprechend organisiert ist. Organisiertes Lernen kommt dem Gehirn entgegen.

Lernstoff wird im Kopf nach einer strengen Ordnung, wie beispielsweise die Bücher in einer Bibliothek, sortiert. Wenn der Lernstoff bereits vorsortiert wird, kann das Gehirn entlastet werden und ein effektiveres Lernen ist möglich. Der Kopf muss nicht lange suchen, wo er den Lernstoff ablegen soll und spart Zeit und Energie. Dass heißt, dass organisiertes Lernen wichtig ist, um effektiver zu lernen und sich besser konzentrieren zu können und somit den Lernerfolg zu sichern. Zusammenfassend kann man also sagen, dass organisiertes Lernen in einer organisierten Umgebung leichter fällt und einen wesentlichen Vorteil bietet.

Wie sieht deiner Meinung nach ein optimaler Lernplatz aus?

Die Gestaltung des Arbeitsplatzes spielt dabei keine unerhebliche Rolle und ist eine wichtige Voraussetzung für erfolgreiches Lernen. Bewusstes Lernen kann nur erfolgen, wenn sich der Lernende konzentrieren kann und nicht ständig abgelenkt wird. Unterbrechungen verlängern die Lernzeit unnötig, da man immer wieder neu in den Stoff hineinfinden muss. Daher sollten diese vermieden werden.

Konkret bedeutet dies, dass der Lernort ruhig und mit wenig ablenkenden Geräuschen ausgewählt werden sollten. Je nach Alter und Vorlieben kann dies ein eigenes Zimmer, ein schön gestalteter Kellerraum oder eine Bibliothek sein. Ein (selbstgebasteltes) Schild mit der Aufschrift „Lernzeit – Bitte Ruhe!“ kann an die Tür gehängt werden uns sollte von den andren Haushaltsmitgliedern berücksichtigt werden. Von Vorteil ist es auch, wenn immer am selben Platz gelernt wird, da der Lernende dann automatisch in den Lernmodus schaltet. Hier spielt die Gewöhnung durch regelmäßige Wiederholung über mehrere Wochen eine große Rolle.

Wenn dies aus räumlichen Gründen nicht möglich ist, kann mit einer Schreibtischunterlage gearbeitet werden, die an flexiblen Lernplätzen eingesetzt wird. Die Schreibtischunterlage ist das stabile Element und vermittelt: „jetzt ist Lernzeit“.

Der Arbeitsplatz sollte so gestaltet sein, dass alle Dinge, die nicht benötigt werden, weggeräumt werden und nur die Utensilien auf dem Schreibtisch liegen, die tatsächlich für die Lerneinheit benötigt werden. Dabei sollen alle Dinge so angeordnet sein, dass sie leicht zu erreichen sind und nicht lange gesucht werden müssen. Das kann individuell sein und muss mit dem Lernenden ausprobiert werden.

Die Arbeitsfläche sollte gut ausgeleuchtet sein und keine Schatten haben. Fenster sollten, wenn sie zu viel Ablenkung bringen, mit einem Rollo oder Plissee geschlossen werden.

Die Arbeitsunterlagen sollten ansprechend sein. Neue Materialien wirken positiv und fördern somit auch eine positive Lernsituation. Es lohnt sich, für die Haupt- oder Problemfächer eigene Bücher anzuschaffen, da die Leihbücher aus der Schule teilweise stark verbraucht sind und damit bei einigen Schülern eher abschreckend wirken.

Wenn Blöcke, Stifte, Hefte, Umschläge usw. mit den Lieblingsmotiven versehen sind, macht es Spaß, diese zu verwenden und fördert das Lernen. Auch bei der Auswahl der Arbeitsmittel sollte auf Vollständigkeit geachtet werden. Unnötige Dinge sollten nicht angeschafft werden.

Hilfreich sind hier die Checklisten, die viele Schulen zu Schuljahresbeginn herausgeben. In unserer Familie ist es Tradition, in der ersten Schulwoche im neuen Schuljahr in unseren örtlichen Schreibwarenladen zu gehen. Dort geht der Verkäufer mit den Kindern die Listen durch. Sie dürfen Stifte und Papier ausprobieren und sich aus vielen Motiven ihre Arbeitsmittel aussuchen.

An vielen Schulen wird nach dem Farbprinzip gearbeitet, d. h. jedem Fach wird eine Farbe zugeordnet und die Hefter und Heftumschläge werden in der jeweiligen Farbe eingesetzt. Dadurch können wir das Gehirn entlasten, denn es erkennt schnell, um welches Fach es sich handelt.  Auch eine Schulranzen- und Füllerberatung ist empfehlenswert. Eine regelmäßige Überprüfung der Vollständigkeit und Funktionsfähigkeit der Arbeitsmittel sollten ebenfalls durchgeführt werden.

Die Dinge, die für die jeweilige Lernsituation notwendig sind, können mit dem Lernenden erarbeitet werden und in einer Checkliste oder auf Kärtchen dokumentiert werden. Materialien, die in allen Fächern benötigt werden, können einen festen Platz auf dem Schreibtisch haben. Nach dem Lernen, sollte der Lernort immer aufgeräumt werden.

Erfolgreich lernen hört sich toll an - unser Kinderzimmer erzählt leider eine andere Geschichte...

Ordnungscoach Franziska Barth-Christner Profilbild

Wenn du das Gefühl hast, euer Kinderzimmer braucht dringend ein Update bevor dein Kind erfolgreich lernen kann und du mit professioneller Hilfe schneller ans Ziel kommen möchtest, melde dich einfach für ein kostenloses Erstgespräch!

Ist Ordnung beim erfolgreichen Lernen besonders im Kindesalter wichtig?

Ich meine, dass das in jedem Alter wichtig ist. Allerdings werden im Kindesalter quasi die Grundsteine gelegt. Kinder benötigen zum einen Unterstützung beim Ordnung schaffen und halten und zum anderen lernen sie so bereits frühzeitig, dass es wichtig ist, auch beim Lernen Ordnung zu halten und sie davon auch später profitieren können.

Was tust du, um die richtige Lernatmosphäre zu erschaffen? Hast du vielleicht ein paar Tricks und Tipps für den Alltag?

Das ist sehr individuell zu beantworten, da die Vorlieben der Kinder recht unterschiedlich sind. Aber folgende Tipps haben sich oft bewährt:

  • Es sollte hell sein; entweder Tageslicht oder ein eher kaltes Lampenlicht
  • Ruhe ohne Störungen
  • Die Lieblingsfarbe des Kindes mit einbringen
  • Bei einigen Aufgaben können Kinder besser mit leiser Konzentrationsmusik lernen
  • Wer es mag: Raumduft (es gibt konzentrationsfördernde Düfte)
  • Optimale Raumtemperatur

Gibt es spezielle Techniken, Werkzeuge oder Routinen, die du Kindern und Eltern empfehlen kannst, um ihnen bei der Organisation ihres Lernplatzes und damit beim Lernen zu helfen?

Folgendes können die Kinder zu Hause ausprobieren:

  • Farbsystem: jedes Fach erhält eine eigene Farbe; dann werden Hefte, Bücher, Notizzettel, Karteikarten etc. in der jeweiligen Farbe genutzt
  • Digitalisierung: digitale Hefteinträge, Verwendung von Lern-Apps, digitale Kalender, etc.
  • Ergonomische Möbel: die Kinder verbringen nun mehr Zeit beim Lernen
  • Schachteln, Boxen, Ordner für jedes Fach: hier gibt es eine Reihe von Ordnungssystemen, das ist allerdings Geschmackssache
  • Im Zimmer der Lernbereich vom Schlaf- und Spielbereich trennen

Also Routine sollte man tägliches Aufräumen anstreben und zwar direkt nach der Lerneinheit (s. u.). Weiterhin ist es sehr empfehlenswert, sich vor dem Lernen die Frage zu stellen: „Was möchte ich jetzt lernen?“. Denn wenn uns das klar ist, fällt es einfach, nur diese Materialen bereit zu legen – und nichts anderes. Den größten Fehler den man machen kann: einfach nur drauf los lernen.

Dabei kann die Promodoro-Technik unterstützen. Dabei wird die Lernzeit in 25-Minuten-Phasen eingeteilt auf die jeweils eine Pause von maximal fünf Minuten folgt. Nach vier Pomodori folgt eine längere Pause von ca. 30 Minuten. Damit kann man gut den Lernstoff und somit auch seine Lernumgebung organisieren. Probiert es mal aus – funktioniert wirklich super!

In der Grundschule sind die Schulmaterialien noch überschaubar, doch in den weiterführenden Schulen wird es wesentlich mehr. Wie können Kinder ihren Lernplatz ordentlich halten und gleichzeitig den Überblick über ihre Lernmaterialien behalten? Hast du hier auch ein paar Tipps aus deiner Praxis?

Der Übertritt in die weiterführende Schule bedeutet für die Kinder zum einen eine Menge mehr Verantwortung und Selbständigkeit aber auch gleichzeitig mehr Rechte. So sollte man es auch beim Thema häusliches Lernen halten.

Der Lernplatz sollte täglich aufgeräumt sein. Es ist immer schwierig, wenn vor dem Lernen Ordnung geschafft werden muss. Deshalb empfehle ich immer am Ende der Lerneinheit auf- und wegzuräumen, was nicht benötigt wird. So stehen keine Hürden für die nächste Lerneinheit im Weg. Ab der fünften Klasse gibt es wesentlich mehr Unterrichtsfächer, die organisiert werden möchten. Auch in der weiterführenden Schule solltet ihr eure Kids so lange dabei unterstützen, bis ihr das Gefühl habt, es klappt alleine.

Auch die Organisation von Lernumgebung, Lernmaterialien, Lernstoff und Lernzeit muss gelernt werden, das geht selten von alleine, gehört aber zum erfolgreichen Lernen dazu. Ein weiterer Tipp hierbei ist die Ausdauer. Ihr müsst dran bleiben und die Lernorganisation (und damit auch das Ordnung halten) regemäßig üben und wiederholen. Wenn ihr feststellt, dass euer Weg so nicht klappt, versucht etwas anders.

Fazit

Ordnung ist ein wesentlicher Bestandteil des Lernprozesses, insbesondere im Kindesalter. Sie fördert nicht nur die Konzentration und reduziert Stress, sondern hilft Kindern auch dabei, selbstständiger und effizienter zu werden. Die Einbindung von Ordnung in den Alltag eines Kindes kann einen erheblichen positiven Einfluss auf ihre schulischen Leistungen und ihr allgemeines Wohlbefinden haben. Indem wir Kinder dabei unterstützen, eine geordnete Umgebung zu schaffen, legen wir einen guten Grundstein für ihr Leben und erleichtern damit auch unseren Alltag als Eltern enorm.

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